WestKarpaten
Willkommen in den Westkarpaten ("Muntii Apuseni" / Transsilvanien / Rumänien)!

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WestKarpaten


    Reisestorys / Urlaubsstorys (3)


   von Uwe Fischer
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   http://www.fischtours.de /
   - geführte Motorradreisen durch Rumänien -

   Die letzte Nacht (28.05.2004)

   Schon seit einigen Kilometern begleiten uns im Tal des Aries die verwachsenen Gleise einer stillgelegten Schmalspurbahn. Ab Campeni gehört das Tal nur noch dem Fluss und natürlich der Straße. In unzähligen Kurven windet sich unsere Route durch die Westkarpaten. Der brüchige und durchlöcherte Straßenbelag wird von der wunderbaren Landschaft ringsum allemal wett gemacht. Steile, dicht bewaldete Abschnitte wechseln mit sanfteren ab, wo auf Almen Rinder oder Schafe weiden. Unten im Tal sehen wir hin und wieder sogar Büffel am sattgrünen Gras rupfen. Sie lassen sich nicht im geringsten vom Bollern unserer Maschinen stören.
   Schließlich gelangen wir nach Arieseni, unserem heutigen Ziel.
   Dank der guten Anfahrtsbeschreibung finden wir die kleine Pension sofort.
   Allerdings haben wir ein Problem: die Brücke, die hinüber zum Grundstück führt, wird gerade erneuert. Das bedeutet, dass momentan nur in Fahrtrichtung ein paar Eisenträger liegen und der Abstand zwischen ihnen ist etwas breiter als die Reifen unserer Motorräder. Auf einem einzelnen Träger zu balancieren ist uns mit den schweren Bikes zu riskant, immerhin haben wir eine BMW R 1150 RT dabei, die ihre rechte Spiegel-Blinker-Einheit schon bei der Anreise in Tschechien einbüßte ...
   Nach der herzlichen Begrüßung durch unsere heutige Wirtin, schleppt die zierliche Frau mit uns dicke Bohlen auf das Brückengerüst. Zur besseren Auffahrt wird noch etwas Erde angeschaufelt und so gelangen wir wohlbehalten über den Bach. Typisch rumänisch, wenn Probleme auftauchen, lösen sie sich nach einiger Zeit meist irgendwie in Wohlgefallen auf.
   Jetzt können wir unbeschwert die Ruhe hier genießen. Langsam gleiten die letzten Strahlen der Abendsonne am gegenüberliegenden Hang herauf und tauchen Bäume, winzige Hütten und eine handvoll Kühe in weiches, warmes Licht.
   Während die Schatten immer länger werden, sinkt die Temperatur ziemlich schnell. Schade, denn eigentlich wollten wir ein Feuer machen und auf der Egge, einer speziellen Grillvorrichtung, unser Abendessen braten. Aber Ende Mai kann es hier im Gebirge nachts noch recht frisch werden.
   In der Küche brennt indes der Holzofen und verbreitet gemütliche Wärme. Bald vermischt sie sich mit dem Duft aus Töpfen und Pfanne. Wie fast überall in Rumänien, so wird auch hier reichlich, lecker und vor allem natürlich aufgetischt. Vieles stammt vom eigenen Hof oder aus der Nachbarschaft.
   Mit Wörterbüchern, Sprachführern, Händen und Füßen sind der Konversation kaum Grenzen gesetzt. Und so wird unser letzter Abend in diesem schönen und gastfreundlichen Land lang und lustig.
   Am Morgen fällt der Abschied dementsprechend schwer. Manches gäbe es hier zu entdecken, die Eishöhle bei Garda de Sus, das Goldgräbermuseum in Rosia Montana oder sich einfach nur der Stille der unberührten Landstriche hingeben.
   Vorm Vartop-Pass verschwindet der einst so stolze Aries als unscheinbares Bächlein im Wald. Wir schwingen uns auf 1.160 Meter hoch. Ein paar Kilometer hinterm Pass breitet sich eine Hochebene aus, Pferde, Kühe und Büffel weiden friedlich nebeneinander. Die Weite und Sanftheit der Landschaft erinnert ein bisschen an asiatische Grassteppen.
   Langsam werden die Berge im Rückspiegel kleiner. Es heißt Abschied nehmen, von einem Land und vor allem seinen Menschen die uns sehr ans Herz gewachsen sind.
   Etwas Wehmut bleibt, aber wir wissen schon jetzt:
Wir werden wieder kommen und auch versuchen anderen Menschen Rumänien näher zu bringen.
   Multumesc si la revedere!


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